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Bad Honnef. Ein historischer Moment für die St. Sebastianus Schützenbruderschaft Bad Honnef: Erstmals seit ihrer rund 700-jährigen Geschichte bleibt die Königskette ohne Trägerin oder Träger. Beim Königsvogelschießen am Samstag meldete sich nach dem Fall der letzten Reste des Vogels niemand mehr, um auf den Rumpf zu schießen. Damit wird es in diesem Jahr weder eine Schützenkönigin noch einen Schützenkönig geben.
Für die traditionsreiche Bruderschaft ist das ein Einschnitt. Doch mit diesem Problem steht sie nicht allein. Seit Jahren kämpfen zahlreiche Schützenvereine bundesweit mit Nachwuchssorgen und der Frage, wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Bereits 2016 berichtete der Deutschlandfunk darüber, dass immer weniger junge Menschen mit dem Wahlspruch „Glaube, Sitte, Heimat“ etwas verbinden und manche Vereine sogar Schwierigkeiten haben, überhaupt noch einen König zu finden. Der Kölner Stadt-Anzeiger schrieb vor zwei Jahren, dass kaum noch ein Schützenverein vor diesem Szenario gefeit sei.
Auch Sebastianus-Präsident Sascha Hüsing sieht mehrere Ursachen. Neben dem zeitlichen Aufwand spiele auch die finanzielle Belastung eine Rolle. Gerade jüngere Menschen seien häufig nicht mehr bereit oder in der Lage, dieses Ehrenamt zu übernehmen. Nun müsse sich die Bruderschaft zusammensetzen und überlegen, wie die jahrhundertealte Tradition auch künftig fortgeführt werden könne.
Für die Königskette bedeutet das zunächst eine Pause. „Sie wird in diesem Jahr gut gesichert aufbewahrt, ohne zum Einsatz zu kommen“, erklärt Vizepräsidentin Michaela Diepenseifen-Alfter. Wie es im kommenden Jahr weitergeht, werde sich zeigen.
Ganz ohne Majestät bleibt die Bruderschaft allerdings nicht: Mike Eschbach sicherte sich am Samstag den Titel des Kogel-Königs – eine Auszeichnung, die in anderen Vereinen häufig als Bürgerkönig bezeichnet wird.
Der Name „Kogelschützen“ geht auf die charakteristische Kopfbedeckung – die Kogel oder Gugel – zurück, die Anfang des 14. Jahrhunderts getragen wurde. Die Schützen waren damals weit mehr als Ausrichter eines Volksfestes. Als sogenannte Civil-Miliz sorgten sie im Auftrag des Landesherrn im Amt Löwenburg für Sicherheit und Ordnung. Zu ihren Aufgaben gehörten die Begleitung des Fürsten, Nachtwachen, die Bewachung von Gefangenen sowie die Durchsetzung obrigkeitlicher Anordnungen. Das Amt Löwenburg umfasste damals ein großes Gebiet von Honnef über Ober- und Niederdollendorf bis nach Beuel, Niederkassel und Sieglar.
Heute hat sich die Rolle der Bruderschaften grundlegend gewandelt. Sie stehen vor der Herausforderung, jahrhundertealte Traditionen mit den Lebensrealitäten einer modernen Gesellschaft in Einklang zu bringen.
Das Schützenfest ist damit allerdings noch nicht beendet. Am heutigen Sonntagnachmittag steht traditionell das Vogelschießen der befreundeten Vereine auf dem Programm.
Das nächste Schützenfest findet in Rhöndorf statt. Dort schießen am 15. und 16. August die Mitglieder der St. Hubertus Schützengesellschaft auf ihrer Festwiese um das ehrenvolle Amt. Auch in Rhöndorf lief beim Königsschießen nicht immer alles problemlos. 2014 war der spätere König nach dem finalen Schuss so verdutzt, dass er erst nach einem „Gespräch unter Männern“ zu seinem Glück stehen wollte und das Amt antrat.











Der Fall in Bad Honnef zeigt ein Problem, das viele traditionelle Schützenvereine in Deutschland betrifft: Es wird schwieriger, Mitglieder zu gewinnen und insbesondere Menschen zu finden, die bereit sind, Verantwortung als Schützenkönig oder Schützenkönigin zu übernehmen. Die Gründe sind vielfältig – Zeitaufwand, Kosten, veränderte Freizeitgewohnheiten und ein geringerer Bezug zu traditionellen Vereinsstrukturen.
Eine Modernisierung könnte verschiedene Ansätze umfassen:
* Stärkere Verbindung zum Schießsport. Viele Schützenvereine betreiben bereits Sportschießen, allerdings steht bei den traditionellen Bruderschaften oft das Brauchtum im Vordergrund. Eine engere Zusammenarbeit mit Sportschützen oder ein Ausbau sportlicher Angebote könnte neue Mitglieder ansprechen.
* Offenere Zielgruppen. Angebote für Familien, Jugendliche und Menschen ohne familiären Bezug zum Schützenwesen können den Verein attraktiver machen.
* Flexiblere Königswürde. In manchen Vereinen schrecken die finanziellen und zeitlichen Verpflichtungen potenzielle Königspaare ab. Eine Begrenzung der Kosten oder stärkere Unterstützung durch den Verein könnte die Bereitschaft erhöhen.
* Mehr öffentliche Veranstaltungen. Sportliche Wettkämpfe, Schnuppertrainings oder Tage der offenen Tür könnten Menschen ansprechen, die sich zwar für den Schießsport interessieren, aber keinen Bezug zum traditionellen Brauchtum haben.
* Digitale Präsenz und moderne Vereinsarbeit. Gerade jüngere Menschen lassen sich eher über soziale Medien und zeitgemäße Kommunikation erreichen.
Allerdings sollte man auch bedenken, dass Sportschützen und traditionelle Schützenbruderschaften unterschiedliche Schwerpunkte haben. Sportschützen trainieren vor allem Präzision und nehmen an Wettkämpfen teil. Bruderschaften verstehen sich dagegen oft als Brauchtumsvereine mit religiösen und gesellschaftlichen Aufgaben. Nicht jeder Sportschütze möchte Teil eines traditionellen Schützenfestes sein, und nicht jedes Mitglied einer Bruderschaft interessiert sich für den Wettkampfsport.
Der Fall der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Bad Honnef könnte deshalb durchaus Anlass sein, über Veränderungen nachzudenken. Ob eine stärkere Ausrichtung auf Sportschützen der richtige Weg ist, hängt davon ab, was der Verein erhalten möchte: Wenn das historische Brauchtum im Mittelpunkt stehen soll, wird man eher behutsam modernisieren. Wenn dagegen die langfristige Zukunft des Vereins das wichtigste Ziel ist, könnte eine stärkere Öffnung für den Schießsport und neue Mitgliedergruppen ein sinnvoller Baustein sein.
Letztlich muss jeder Verein selbst entscheiden, wie viel Veränderung mit seiner Tradition vereinbar ist. Viele erfolgreiche Schützenvereine versuchen heute, Brauchtum und modernen Schießsport miteinander zu verbinden, anstatt sich ausschließlich auf eines von beiden zu konzentrieren.
Oder man lässt dieses überaus alberne und militante Gehabe einfach sein.
Sind das nicht die lächerlichen Figuren in ihren grünen Jäckchen?