Bonn/Rhein-Sieg-Kreis. Die überraschende Vollsperrung der Bonner Nordbrücke hat am Mittwoch für erhebliche Verunsicherung in der Region gesorgt. Nach Angaben der Autobahn GmbH musste die Rheinquerung aus Sicherheitsgründen mit sofortiger Wirkung für den gesamten Verkehr gesperrt werden. Die Sanierung der Brücke habe nun oberste Priorität, zudem werde auch ein möglicher Neubau geprüft.
Besonders im Rhein-Sieg-Kreis stieß die Nachricht auf Unverständnis. Landrat Sebastian Schuster erklärte, die Information sei für den Kreis völlig überraschend gekommen.
„Für den Rhein-Sieg-Kreis kommt diese Information völlig überraschend. Wir haben keinerlei Vorwarnungen seitens der Autobahn GmbH bekommen und es kann keine Rede davon sein, dass Ausweichrouten in enger Abstimmung mit uns vorbereitet wären.“
Von der kurzfristigen Sperrung sind nicht nur Pendlerinnen und Pendler betroffen. Auch Unternehmen, Handwerksbetriebe und Dienstleister müssen sich auf erhebliche Einschränkungen einstellen. Zusätzlich stehen zahlreiche Schulverkehre vor organisatorischen Herausforderungen. Nach Angaben des Rhein-Sieg-Kreises wird derzeit gemeinsam mit der Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft (RSVG) an kurzfristigen Lösungen für den Schulbusverkehr gearbeitet.
Trotz aller Kritik betonte Schuster die Notwendigkeit der Maßnahme:
„Die Sicherheit der Menschen steht selbstverständlich an oberster Stelle.“
Auch die Wirtschaft reagierte mit großer Sorge auf die Entwicklung. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg bezeichnete die Sperrung als schwerwiegenden Einschnitt für die gesamte Region.
IHK-Präsident Stefan Hagen sprach von einer „befürchteten Katastrophenmeldung“ und forderte schnelle Entscheidungen auf Bundesebene.
„Wenn sich bestätigt, dass die Brücke auf Dauer nicht befahren werden kann, müssen Bund und Autobahn GmbH alle Hebel in Bewegung setzen, um die neue Rheinquerung so schnell wie möglich zu bauen. Eine Fertigstellung des Neubaus erst in den 2030er Jahren wäre angesichts der massiven Auswirkungen einer solchen Kappung völlig unzureichend.“
Hagen verwies darauf, dass die Rheinbrücken zentrale Verkehrsadern für die Region seien und die Situation nun höchste politische Priorität erhalten müsse.
„Die Rheinbrücken sind die Lebensadern unserer Region. Die Nordbrücke muss spätestens jetzt Chefsache des Verkehrsministers werden. Genua und Rahmede zeigen, dass es deutlich schneller geht.“
Wie lange die Vollsperrung der Nordbrücke andauern wird und welche konkreten Maßnahmen zur Entlastung des Verkehrs umgesetzt werden können, ist derzeit noch offen. Für die Menschen und Unternehmen auf beiden Rheinseiten dürfte die Sperrung jedoch bereits kurzfristig zu erheblichen Belastungen führen.











