Rhein-Sieg-Kreis. Der Aachener Verkehrsverbund (AVV) und der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) wagen den großen Schnitt: Zum 1. Juni 2026 startet der neue Rheinlandtarif – und mit ihm eine der größten Tarifreformen im Nahverkehr der Region seit Jahrzehnten. Statt bislang 16 Preisstufen soll es künftig deutlich einfacher werden: zunächst vier, ab 2028 sogar nur noch drei Tarifstufen. Das Ziel ist klar: weniger Verwirrung, mehr Übersicht und ein leichterer Zugang zum ÖPNV.
„Ade Tarifabitur, willkommen Einfachheit“ – mit diesem Motto beschreiben die Verbünde selbst die Reform, die sich stark an den Veränderungen orientiert, die das Deutschlandticket ausgelöst hat. Millionen Menschen seien inzwischen an einfache und leicht verständliche Ticketmodelle gewöhnt. Genau daran wolle man nun auch im Rheinland anknüpfen.
Ab dem 1. Juni gelten im Gebiet von AVV und VRS nur noch folgende Preisstufen:
- Kurzstrecke,
- Preisstufe 1 für Fahrten innerhalb einer Stadt,
- Preisstufe 2 für eine Stadt samt Umland,
- Preisstufe 3 für das gesamte Rheinlandnetz.
In einer zweiten Reformstufe soll zum 1. Juni 2028 schließlich auch die Kurzstrecke entfallen. Dann würde der Rheinlandtarif nur noch aus drei Preisstufen bestehen.
Nach Angaben der Verbünde soll die Übergangszeit genutzt werden, um den elektronischen Luftlinientarif „eezy.nrw“ weiter zu etablieren. Dabei zahlen Fahrgäste nicht mehr nach klassischen Tarifzonen, sondern auf Basis der tatsächlich zurückgelegten Luftlinienkilometer. Nach Darstellung von AVV und VRS sei dieses Modell besonders einfach und häufig auch günstiger. Zudem greift weiterhin die Preisobergrenze: Wird eine Fahrt mit einem klassischen Ticket billiger, wird automatisch nur dieser günstigere Preis berechnet.
VRS-Geschäftsführer Michael Vogel spricht von einem „wichtigen Etappenziel“ nach Monaten intensiver Vorbereitung und zahlreichen Abstimmungen. AVV-Geschäftsführer Hans-Peter Geulen betont, mit Deutschlandticket, eezy.nrw und dem neuen Rheinlandtarif verfüge man nun über drei einfache Angebote für unterschiedliche Nutzergruppen.
Für Fahrgäste wichtig: Bereits gekaufte, aber noch nicht entwertete Tickets aus dem bisherigen AVV- oder VRS-Tarif verlieren nicht sofort ihre Gültigkeit. Sie können noch bis zum 31. Mai 2029 umgetauscht werden.
Die Reform dürfte vor allem Gelegenheitsfahrer entlasten, die sich bislang oft durch ein kompliziertes Geflecht aus Tarifzonen und Preisstufen kämpfen mussten. Ob die Vereinfachung tatsächlich mehr Menschen zum Umstieg auf Bus und Bahn bewegt, wird sich allerdings erst in den kommenden Jahren zeigen.
red / AVV und VRS











