Risikophilosophie – made by Bürgermeister

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Aua, das tat richtig weh. Bad Honnefs Bürgermeister Otto Neuhoff hält Senioren – bezogen auf weniger Einkommens- und Umsatzsteuer – für „Risikofaktoren“. Genau zitierte ihn der General Anzeiger: „Ein weiterer Risikofaktor, der sich in weniger Einkommens- und Umsatzsteuer niederschlägt, ist der wachsende Anteil der Senioren in Bad Honnef. Der richtige Mix von Jung und Alt macht es halt aus.“

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Altersgruppen einer Kommune nach Risiken zu beurteilen, ist an sich schon ein heikler Vorgang. In Zukunft wird es in Bad Honnef – wenn‘s finanziell nicht rundläuft – heißen: die Alten sind es schuld. Und das ist dann schon ziemlich diskriminierungsverdächtig. Von einer gesellschaftlichen Spaltung mal ganz abgesehen.

Man mag sich über diesen Aspekt aufregen – schlimmer ist eigentlich noch, dass Bürgermeister Neuhoff in diesem Interview überhaupt keine Silbe über die Chancen verliert, die die Senioren in der von ihm verwalteten Stadt bieten. Was wäre Bad Honnef eigentlich ohne die vielen Rentnerinnen und Rentner, die sich ehrenamtlich in Vereinen, in sozialen Einrichtungen, in der Kultur etc. engagieren? Ohne die vielen Großmütter und -väter, die nicht nur ihren finanziellen Beitrag zum Funktionieren der Familie beitragen? Ohne die vielen älteren Bürgerinnen und Bürger, die nicht mehr erwerbstätig sind und mit ihrem Geld die Spendensäckel füllen? Auf was für eine Summe käme die Verwaltung, würde sie allein nur diese Leistungen gegenrechnen?

Und was tut die Stadt für die Älteren? Noch nicht einmal eine barrierefreie öffentliche Toilette stellt sie ihnen zur Verfügung.

Ältere Menschen, Herr Bürgermeister, bieten einer Kommune viele Chancen. Mit anders gedachten Konzepten könnten sie sogar ihren Anteil an der Einkommens- und Umsatzsteuer erhöhen. Denn immer mehr ältere Menschen wollen aktiv bleiben.

Verwaltungschefs und Politiker, die das noch nicht verstanden haben, stellen mit Sicherheit ein Risiko für die Zukunft ihrer Kommunen dar.

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