Bad Honnef. Die Bauarbeiten an der Rommersdorfer Straße sind abgeschlossen. Nach rund 21 Monaten Bauzeit präsentiert sich der Straßenzug zwischen Marktplatz und Bismarckstraße mit neuer Fahrbahn, neuen Leitungen und als Fahrradstraße. Doch neben der Diskussion um Stellplätze und Verkehrsführung sorgt nun ein anderes Thema für Kritik: das fehlende Stadtgrün.
Denn wer heute durch die erneuerte Straße geht, entdeckt vor allem eines: versiegelte Flächen. „Im ganzen Straßenzug findet sich kein einziger Strauch und kein Baum“, kritisieren Barbara Schweikert und Werner Wimmeroth, die die Situation täglich erleben. Lediglich auf dem Vorplatz der Sankt-Josef-Schule stehe ein einzelner Baum. Besonders der Bereich an der Ecke Bismarckstraße wirke wie eine „neue Hitzeinsel“.
Dabei, so die beiden, wäre an mehreren Stellen durchaus Platz für Begrünung vorhanden gewesen – insbesondere auf dem Schulvorplatz und auf der Freifläche an der Ecke zur Bismarckstraße. Nach ihren Beobachtungen während der Bauarbeiten gebe es dort auch keine großvolumigen Ver- oder Entsorgungsleitungen, die Baumpflanzungen unmöglich gemacht hätten.
Die Kritik trifft einen wunden Punkt. Schließlich beschäftigt die Stadt mit Klimafolgenanpassungsmanager Iljat Illert eigens einen Experten, der gemeinsam mit weiteren Beteiligten ein Konzept zur Klimaanpassung entwickelt hat. Darin wird die Bedeutung von Stadtgrün gerade in dicht bebauten Innenstädten hervorgehoben. Bäume und Fassadenbegrünungen sorgen für Schatten, Verdunstungskälte und verbessern das Mikroklima – Aspekte, die angesichts zunehmender Hitzetage immer wichtiger werden.
Für viele Bürger entsteht deshalb der Eindruck, dass Klimaschutz und Klimaanpassung bei konkreten Bauprojekten noch immer nicht konsequent mitgedacht werden. „Die zuständigen Stellen haben oft nur ihr eigenes Gewerk im Blick“, heißt es aus dem Umfeld des Vereins Lebendige Stadtmitte Bad Honnef e.V.

Ein Beispiel dafür sei bereits vor einigen Jahren am sogenannten Dreiecksplatz am Eingang der Fußgängerzone sichtbar geworden. Dort mussten im Zuge von Kanalbauarbeiten mehrere Bäume weichen. Nach Angaben von Carolin Böhm vom Amt für Umwelt und Stadtgrün wurde im Untergrund später eine Betonschicht eingebracht, unter anderem zur Stabilisierung der Verkehrsflächen. Eine Neubepflanzung mit geeigneten Bäumen sei dadurch heute nur noch schwer oder gar nicht mehr möglich.
Konrad Weber, langjähriger Ingenieur im Bereich der Energieversorgung von Gebäuden, sieht darin ein grundsätzliches Problem: „Klimaschutz und Klimaanpassung sind lebensnotwendige Querschnittsaufgaben, die einen vernetzten Blick über den eigenen Tellerrand erfordern.“ Im Zweifel müsse man stärker die Bürger einbeziehen, denn das Wissen über notwendige Anpassungsmaßnahmen sei längst vorhanden.
Zugleich verweist Weber auf eine weitere Herausforderung: die künftige klimaneutrale Wärmeversorgung der Innenstadt. Im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung sei die Innenstadt mit ihren engen Straßenzügen und älteren Gebäuden bereits als Fokusgebiet identifiziert worden. Wahrscheinlich werde man dort perspektivisch auf Wärmenetze setzen müssen. Für Weber stellt sich deshalb die Frage, ob Straßen wie die Rommersdorfer Straße in einigen Jahren erneut aufgerissen werden müssten.
Gerade deshalb fordert er langfristiges und vernetztes Denken – etwa bei größeren Projekten wie der Saynschen Passage, dem ehemaligen Postgebäude, dem Sparkassenareal oder geplanten Quartiersgaragen. Dort könnten größere Wärmeerzeuger frühzeitig integriert werden und als Ausgangspunkte für klimaneutrale Wärmenetze dienen.
Der Verein Lebendige Stadtmitte Bad Honnef e.V. hat nun einen konkreten Vorschlag gemacht: Auf der versiegelten Fläche an der Ecke zur Bismarckstraße soll Asphalt entfernt und Platz für drei geeignete Bäume geschaffen werden. Auch auf dem Schulvorplatz sollten zusätzliche Pflanzungen geprüft werden. Der Verein bietet an, die Kosten für Setzlinge sowie – falls erforderlich – die Bewässerung und Pflege in den ersten Jahren zu übernehmen.
Die Diskussion um die Rommersdorfer Straße zeigt damit exemplarisch, wie eng Stadtentwicklung, Klimaanpassung und Infrastrukturplanung künftig zusammengedacht werden müssen – gerade in einer Stadt, die sich auf immer heißere Sommer einstellen muss.











