Bad Honnef. Nach dem Scheitern gleich zweier groß angelegter Online-Marktplatzprojekte setzten verschiedene Vertreter der Bad Honnefer Wirtschaft nun auf einen neuen, eigenständig initiierten Ansatz: Unter dem Namen „Wir sind City“ entsteht derzeit eine Plattform, die die lokale Wirtschaft digital sichtbarer machen und stärker vernetzen soll.
Der Blick zurück zeigt, warum ein neuer Anlauf notwendig erscheint. Bereits 2018 startete die Stadt Bad Honnef mit dem Projekt „Kiezkaufhaus“ den Versuch, einen lokalen Online-Marktplatz aufzubauen. Händlerinnen und Händler sollten ihre Waren online anbieten, ausgeliefert werden sollte klimafreundlich per Lastenrad. Das Projekt wurde mit einer sechsstelligen Summe aus Steuermitteln finanziert, konnte sich jedoch weder in Bad Honnef noch am Ursprungsstandort Wiesbaden wirtschaftlich tragen.
Die Beteiligung der örtlichen Geschäfte blieb überschaubar, das Angebot entsprechend begrenzt. In der Folge öffnete sich die Plattform auch für Anbieter aus der Region – ein Umstand, der den ursprünglichen Gedanken eines rein lokalen Marktplatzes zunehmend verwässerte. Einen spürbaren Nutzen brachte das System vor allem während der Corona-Pandemie, als insbesondere ältere Menschen den Liefer- und Bestellservice nutzten. Nachhaltig etablieren konnte sich das Modell jedoch nicht. Im Sommer 2022 wurde der Betrieb nach teils heftigen politischen Diskussionen eingestellt.
Bereits einen Monat später folgte ein weiterer Versuch: Unter dem Namen „Rhein-Kaufhaus“ wurde das Portal neu aufgesetzt – diesmal mit Unterstützung des Einzelhandelsverbands Bonn-Rhein-Sieg-Euskirchen, der IHK Bonn/Rhein-Sieg sowie des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik. Doch auch dieser Anlauf führte nicht zum dauerhaften Erfolg.
Dabei hatte es schon vor dem städtischen Engagement eine privat initiierte Lösung gegeben: Die Plattform „Bad Honnef hat’s“, damals auf Initiative von Gilbert Köhne (Herzblut) gegründet, vernetzte zeitweise rund 35 Betriebe. Finanziert wurde sie ausschließlich durch die teilnehmenden Unternehmen. Mit Bekanntwerden der städtischen Pläne und der erheblichen Fördermittel verlor das Projekt jedoch seine Grundlage und wurde eingestellt.
Mit „Wir sind City“ geht nun der Centrum e.V. einen neuen Weg. Die Plattform, erreichbar unter badhonnef-city.de, befindet sich aktuell im Aufbau und soll deutlich breiter gedacht sein als ihre Vorgänger. Ziel ist es, nicht nur den Einzelhandel in der Innenstadt abzubilden, sondern auch die Wirtschaft in den Veedeln einzubeziehen.
Der gewählte Name ist dabei Programm: „Wir sind City“ versteht sich als Dachmarke, unter der verschiedene Akteure gebündelt werden sollen. Gemeinsam wollen sie die Sichtbarkeit des Standorts erhöhen und Kräfte bündeln, die bislang parallel gearbeitet haben.
Der Ansatz ist dabei nicht als klassischer Online-Shop angelegt, sondern vielmehr als Marketing- und Vernetzungsplattform. Im Fokus stehen Präsenz, Information und die Stärkung lokaler Strukturen – digital unterstützt.
Die Initiatoren setzen darauf, aus den Erfahrungen der Vergangenheit zu lernen. Entscheidend dürfte sein, ob es gelingt, eine breite Beteiligung der lokalen Akteure zu erreichen und die Plattform kontinuierlich mit Leben zu füllen. Ebenso wichtig ist die Einbindung aller Stadtteile – von der Innenstadt über alle Ortsteile.
Oder, um ein bekanntes Bonmot von Ex-Bürgermeister Otto Neuhoff aufzugreifen: Geht es der City gut, geht es der ganzen Stadt gut. Ob „Wir sind City“ dazu einen nachhaltigen Beitrag leisten kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.














