Der Karneval in Bad Honnef lebt vom Ehrenamt. Engagierte Vereine und viele Einzelpersonen investieren Zeit, Kraft und Geld, damit das Brauchtum lebendig bleibt und von einer Generation zur nächsten weitergetragen wird. Das verdient Anerkennung.
Gleichzeitig hat sich der Karneval verändert. Waren Büttenreden früher ein zentraler Bestandteil vieler Sitzungen, stehen heute häufig Musik, Bands und Party im Vordergrund. Auf den Bühnen geht es Schlag auf Schlag. Die Veranstalter haben sich auf die veränderten Erwartungen des Publikums eingestellt – denn wenn die Mischung nicht mehr stimmt, bleiben irgendwann die Gäste aus.
Auch die Tanzcorps müssen sich diesem Wandel stellen. Wer auf den großen Karnevalsbühnen bestehen will, muss tänzerisch immer mehr leisten. Was die Aktiven in ihrer Freizeit auf die Beine stellen, hat längst ein Niveau erreicht, das man durchaus mit Hochleistungssport vergleichen kann.
Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung des Festkomitees, die Sessionseröffnung nicht mit zahlreichen Tanzauftritten zu überfrachten, durchaus nachvollziehbar. Neun Tanzcorps hintereinander an einem Abend – das könnte selbst für ein karnevalistisches Publikum zu viel werden.
Doch damit ist die eigentliche Frage noch nicht beantwortet: Welchen Platz geben wir dem karnevalistischen Nachwuchs?
Kinder und Jugendliche sind nicht einfach ein Programmpunkt unter vielen. Sie sind die Zukunft des Brauchtums. In Bad Honnef leisten die Karnevalsgesellschaften eine bemerkenswerte Nachwuchsarbeit. Sie begeistern junge Menschen für den Karneval, vermitteln Gemeinschaft und lassen Tradition lebendig werden. Das ist gerade angesichts der Herausforderungen, vor denen viele Vereine stehen, alles andere als selbstverständlich.
Natürlich wollen die jungen Tänzerinnen und Tänzer ihr Können auch zeigen. Sie trainieren über Monate, üben zusätzlich zu Hause und nehmen dafür erhebliche Mühen auf sich. Für sie ist ein Auftritt nicht irgendein Programmpunkt, sondern der Höhepunkt einer langen Vorbereitung.
Werden wir diesem Engagement gerecht, wenn die Kinder und Jugendlichen bei der Sessionseröffnung lediglich in kurzen Auftrittsblöcken auf die Bühne kommen? Oder wäre es nicht sinnvoller, ihnen einen Rahmen zu bieten, in dem sie selbst im Mittelpunkt stehen können?
Vielleicht liegt genau darin eine Chance: Wie wäre es mit einer eigenen Sessionseröffnung für Kinder und Jugendliche im Kurhaus? Mit einem Programm, das auf ein junges Publikum zugeschnitten ist, die Leistungen der Tanzgruppen würdigt und zugleich Lust auf die kommende Session macht.
Das wäre keine Konkurrenz zur traditionellen Sessionseröffnung, sondern eine Ergänzung. Die Erwachsenen könnten ihr bewährtes Format beibehalten, während der Nachwuchs eine eigene Bühne bekäme – mit der Aufmerksamkeit, die er verdient.
Denn wenn der Karneval in Bad Honnef auch in Zukunft lebendig bleiben soll, braucht er nicht nur engagierte Vereine und begeisterte Zuschauer. Er braucht vor allem junge Menschen, die bereit sind, diese Tradition weiterzutragen. Und manchmal bedeutet Brauchtumspflege eben auch, neue Wege zu gehen.









