Bad Honnef bekommt eine Chance, die sich nicht planen lässt – aber gestalten. Mit der Entscheidung der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, ihren gesamten Hochschulbetrieb bis 2027 nach Bad Honnef zu verlegen, gewinnt die Stadt nicht nur einen Campus. Sie gewinnt rund 1.400 Studierende, Lehrende, Forschende und kreative Köpfe.
Für eine Stadt, die seit Jahren mit den Herausforderungen einer alternden Bevölkerung ringt, ist das eine bemerkenswerte Entwicklung. Junge Menschen bringen Leben in die Stadt – nicht nur tagsüber, sondern auch am Abend und an den Wochenenden. Sie beleben Cafés und Geschäfte, nutzen Bus und Bahn, engagieren sich in Vereinen und schaffen Nachfrage nach Kultur, Freizeit und Begegnungsorten. Vor allem aber bringen sie neue Ideen mit.
Doch diese Entwicklung ist kein Selbstläufer. Wer Studierende nach Bad Honnef holt, muss ihnen auch etwas bieten. Bezahlbarer Wohnraum gehört ebenso dazu wie attraktive Treffpunkte, gute Mobilität und eine lebendige Innenstadt. Wenn die jungen Menschen nach den Vorlesungen sofort wieder abreisen, bleibt ein großes Potenzial ungenutzt.
Auch wirtschaftlich kann der Umzug weitreichende Folgen haben. Hochschulen gelten als Motoren für Innovation und Gründungen. Vielleicht entstehen Kooperationen mit Unternehmen, kulturelle Projekte oder neue Arbeitsplätze. Vielleicht entscheiden sich Absolventinnen und Absolventen sogar, nach dem Studium in Bad Honnef zu bleiben. Dafür braucht es allerdings eine Stadt, die offen ist für neue Ideen und Veränderungen.
Die Alanus Hochschule passt in besonderer Weise zu Bad Honnef. Kunst, Nachhaltigkeit, gesellschaftlicher Dialog und Kreativität könnten der Stadt neue Impulse geben. Gerade weil Bad Honnef häufig als Kultur- und Wohnstadt wahrgenommen wird, eröffnet sich die Chance, das Profil um einen jungen, kreativen und wissenschaftlichen Schwerpunkt zu erweitern.
Der Umzug allein macht aus Bad Honnef noch keine blühende Hochschulstadt. Aber er kann der Beginn einer Entwicklung sein, die weit über den Campus hinausreicht. Ob daraus ein Gewinn für die gesamte Stadt wird, hängt davon ab, ob Politik, Wirtschaft, Hochschule und Bürgerschaft diese Chance gemeinsam nutzen.
Jetzt kommt es darauf an, aus einer Standortentscheidung eine Zukunftsentscheidung zu machen.










