Nennen wir ihn Willy. Handwerker Willy. Einer von denen, die kommen, wenn andere verzweifeln. Wenn Wasser tropft, Strom spinnt oder die Heizung nur noch aus nostalgischen Gründen existiert.
Willy kam heute auch. Fast pünktlich. „Fast“, weil er vorher eine kleine Stadtrundfahrt durch Bad Honnef genießen durfte. Mehrmals um den Block – nicht aus Freude am Sightseeing, sondern auf der verzweifelten Suche nach einem Parkplatz für sein Dienstfahrzeug.
Kurz vor der vereinbarten Zeit dann der Anruf. Die Stimme leicht genervt. Irgendwo zwischen Hoffnung und Resignation. „Ich finde hier nichts.“
Also macht Willy das, was Handwerker aus Verzweiflung tun: Er hält kurz im Halteverbot. Nur zum Ausladen. Werkzeug schleppt sich schließlich schlecht über mehrere Straßenzüge – vor allem dann, wenn es mehr wiegt als ein durchschnittlicher Wochenendkoffer.
Dann die Rettung: Ein Parkplatz! Irgendwo! Wahrscheinlich gefühlt in einer anderen Postleitzahl, aber immerhin legal. Willy parkt, kommt zurück, arbeitet. Und das, wie man es sich wünscht: ordentlich, sauber, professionell. Problem gelöst. Kunde zufrieden.
Bis zu dem Moment, als Willy wieder zu seinem Auto kommt.
Das Knöllchen – vielleicht sogar mit Herz und dem Slogan „Lebensfreude verbürgt“ – wartet schon. Unbarmherzig. Die Parkzeit überschritten.
Man möchte sich kurz fragen: Was genau war der Plan? Sollte Willy mitten in der Reparatur sagen: „Moment bitte, ich lasse Sie mal eben mit dem halboffenen Rohr allein, ich muss kurz drei Stockwerke runter, die Parkuhr füttern“? Vielleicht noch im Laufschritt, mit Rohrzange in der Hand?
Es ist ein absurdes Schauspiel. Die Stadt braucht Handwerker. Dringend. Alle brauchen sie. Gleichzeitig macht man ihnen das Leben schwerer, als es sein müsste. Parkplatzsuche als zusätzliche Qualifikation im Handwerksberuf – das stand so nicht in der Ausbildung.
Und Willy ist kein Einzelfall. Er ist – wie viele Zulieferer auch – eher die Regel.
Was bleibt, ist die Rechnung. Die kommt am Ende. Für den Kunden. Für den Zeitverlust. Für den Strafzettel. Für den Stress.
Vielleicht wäre es an der Zeit, die Realität zur Kenntnis zu nehmen: Handwerker kommen nicht zum Spaß. Sie kommen, weil sie gebraucht werden. Und sie kommen meist mit mehr als nur einem Schraubenzieher.
Liebe Stadtverwaltung: Hier muss es Lösungen geben. Willy würde sich freuen. Und alle anderen vermutlich auch.
Bis dahin dreht er weiter seine Runden. Im Kreis. Mit Blinker. Und leicht erhöhtem Puls.
Andere Kommunen machen es vor. Hier ein paar Alternativen, die für Bad Honnef realistisch wären:
1. Digitale Handwerker-Parkausweise
Eine App oder ein Online-System, über das Betriebe kurzfristig Parkberechtigungen buchen können – minutengenau oder für ein Zeitfenster. Kennzeichen eingeben, Auftrag starten, fertig. Kontrolle läuft digital. Spart Willy den Sprint durchs Treppenhaus.
2. „5-Minuten-Regel“ mit Augenmaß
Eine klare Dienstanweisung ans Ordnungsamt: Wer erkennbar beim Be- und Entladen ist (Werkzeug, Material, Lieferungen), bekommt eine gewisse Kulanzzeit – ohne sofortiges Knöllchen. Funktioniert offensichtlich in vielen Städten erstaunlich gut, wenn man es pragmatisch handhabt.
3. Kooperation mit Anwohnern/Geschäften
Temporär freigegebene Privatparkplätze: Händler oder Eigentümer können ihre Stellplätze tagsüber für Handwerker öffnen – gesteuert über eine einfache Plattform oder Aushänge. Win-win, wenn es gut organisiert ist.
4. Mikro-Hubs am Rand der Hauptstraße
Kleine Umschlagpunkte, an denen Handwerker und Zulieferer kurz halten dürfen, Material ausladen und dann mit Sackkarre die letzten Meter gehen. Klingt simpel, entlastet aber stark frequentierte Straßen.
5. Reservierbare Kurzzeit-Parkplätze
Ähnlich wie Carsharing-Stellplätze: einige wenige Plätze, die man im Voraus buchen kann – z. B. für 30–60 Minuten rund um einen Termin. Planungssicherheit statt Parkplatzroulette.
6. „Handwerker-Fenster“ in Stoßzeiten
Zu bestimmten Zeiten (z. B. vormittags) werden ausgewählte Bereiche bewusst für Liefer- und Handwerksverkehr priorisiert. Danach wieder normale Nutzung. Klare Regeln statt Dauerchaos.
7. Parkzeit-Stop per Auftrag
Etwas kreativer: Parkscheinautomaten oder Apps, die es erlauben, die Parkzeit zu „pausieren“, wenn man nachweislich im Einsatz ist (z. B. über einen Auftragscode). Klingt technisch, ist aber sicherlich machbar.
Unterm Strich geht’s gar nicht darum, Regeln aufzuweichen – sondern sie an die Realität anzupassen. Willy braucht keinen Freifahrtschein. Nur die Chance, seinen Job zu machen, ohne nebenbei noch Parkraum-Manager zu sein.










Hallo Willy, Nur so zur Info: Bei der Stadt Bad Honnef gibt es einen Handwerkerparkausweis.
Dieser erlaubt das Parken im eingeschränkten Halteverbot, auf öffentlichen Parkplätzen mit Parkscheibenpflicht,
an Parkuhren und im Bereich von Parkscheinautomaten gebührenfrei und ohne Beachtung der Höchstparkdauer.
Ja, er kostet Gebühren, aber er schont die Nerven und erspart so ein Gejammer.