Wer mittags durch die Bad Honnefer Fußgängerzone geht, spürt seit einigen Wochen eine eigentümliche Stille. Freie Tische prägen zeitweise das Bild der Gastronomie, in den Geschäften verliert sich kaum ein Kunde. Die Menschen meiden die Innenstadt nicht aus Desinteresse, sondern wegen der drückenden Hitze.
Und trotzdem läuft unser Alltag weiter wie in den kühleren Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts. Schulen beginnen morgens zur gleichen Zeit, Behörden arbeiten bis in den Nachmittag, Geschäfte schließen am frühen Abend. Um 18 oder 19 Uhr weicht die größte Hitze langsam angenehmeren Temperaturen – die Menschen zieht es wieder nach draußen, doch genau dann schließen die Läden.
Dabei kennen andere Länder dieses Problem seit Jahrzehnten. In Spanien, Italien oder Griechenland passt sich der Mensch dem Klima an – nicht umgekehrt. Dort ruht das Leben während der heißesten Stunden des Tages, woraufhin die Städte am Abend erwachen. Familien spazieren durch die Gassen, Kinder spielen auf den Plätzen, Restaurants sowie Geschäfte empfangen Gäste bis tief in die Nacht.
Warum eigentlich nicht auch bei uns?
Bad Honnef bringt beste Voraussetzungen mit. Die Fußgängerzone, der Marktplatz oder das Rheinufer böten an warmen Sommerabenden Platz für viele Menschen. Ein Eisbecher oder ein Einkaufsbummel um 21 Uhr zieht die Menschen eher an als der Gang über glühendes Pflaster um 14 Uhr.
Gerade jetzt debattieren viele über die Zukunft der Innenstädte, über verwaiste Verkaufsflächen, den Online-Handel und ausbleibende Kundschaft. Vielleicht liegt der Fehler in der Richtung unserer Suche nach Lösungen. Vielleicht erfordert die Situation schlicht auch die Akzeptanz des Klimawandels.
Warum nicht während einer Hitzewelle oder den ganzen Sommer über Sommeröffnungszeiten einführen? Geschäfte öffneten an ausgewählten Tagen bis 22 oder sogar 23 Uhr. Veranstalter legten Termine auf spätere Stunden, Wochenmärkte fänden abends statt. Behörden verlegten ihre Sprechzeiten stärker in den kühlen Morgen. Niemand fordert Mehrarbeit – lediglich eine andere Aufteilung der Stunden.
Natürlich bringt eine solche Umstellung Herausforderungen mit sich. Angestellte verlangen verlässliche Arbeitszeiten, Busse aber auch Bahnen müssten ihren Fahrplan anpassen – manche Branche stößt hier an Grenzen. Aber rechtfertigt das, dass alles bleibt, wie es ist?
Wir sprechen über Trinkbrunnen, Sonnensegel und hitzeresistente Bäume. Diese Maßnahmen helfen zweifellos, doch naheliegend wäre auch die Anpassung des Tagesablaufs an die veränderten Temperaturen.
Deutschland verabschiedet sich von den gemäßigten Sommern. Meteorologen prognostizieren seit Jahren häufigere und längere Hitzewellen. Der Glaube an eine Ausnahme führt in jedem neuen Sommer zu großer Überraschung.
Und wer weiß: Vielleicht bringt ausgerechnet der Klimawandel den Innenstädten verloren gegangenes Leben zurück. Nicht mittags um zwei, sondern an lauen Sommerabenden, wenn die Bad Honnefer die Straßen füllen.











Vielen Dank für diese klugen Überlegungen.
Wie wäre es, wenn man direkt am ‚Haus für die Bürger:innen der Stadt‘ beginnt: Am Rathaus. Der Platz vorm Rathaus ist wahrlich kein architektonisches Kleinod und wäre für einen ’neuen Anstrich‘ sicher bereit.
Man könnte mit der Entsiegelung von hitzeförderndem Beton beginnen und einen wirklichen Ort der Begegnung gestalten, mit Bäumen, die verschatten, Bänken zum Ausruhen und Treffen, bunten Blühstreifen, einem Wasserspender, der zum Verweilen einlädt.
Und ja, Sonnensegel, welche die Fußgängerzonen überspannen und somit zum schützenden Dach für Passant:innen werden, leiten den Weg zum ‚Haus der Bürger:innen‘.
So Vieles ist bereits möglich, man muss halt neben dem Mut zur Einsicht auch den Mut zum Handeln haben.
Ich bin positiv gestimmt, dass solch kluge Veränderungen auch in Bad Honnef möglich sind, denn mit jedem weiteren unerträglichen Hitzetag tröpfelt die Einsicht für notwendige Veränderungen ein wenig mehr in die Köpfe hinein.