Mehrfach wurden inzwischen Schautafeln der „Zeitleiste Jüdisches Leben in Bad Honnef“ zerstört. Diese Taten sind respektlos – gegenüber der Geschichte, gegenüber den Opfern und gegenüber der Erinnerungskultur unserer Stadt. Ob die Zerstörungen politisch motiviert sind oder auf bloßen Vandalismus zurückgehen, ist unklar. Doch unabhängig vom Motiv bleibt der Schaden derselbe: Ein Angriff auf das öffentliche Gedenken.
Der derzeitige Standort der Zeitleiste im Anna Pfad entlang des Ohbachs ist erklärbar, aber problematisch. Er wurde gewählt, weil er sich in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Synagoge befindet, die in der Pogromnacht zerstört wurde. Doch zugleich liegt er abseits, wenig frequentiert und bietet Raum für Zerstörung ohne große Öffentlichkeit.
Dabei fand jüdisches Leben in Bad Honnef nicht nur an einem Ort statt. Es war Teil des städtischen Alltags, verteilt über viele Straßen und Häuser. Davon zeugen besonders die zahlreichen Stolpersteine im Stadtgebiet, die Passantinnen und Passanten immer wieder innehalten lassen – oft mit Tränen in den Augen.
Auch deshalb stellt sich die Frage, ob die „Zeitleiste Jüdisches Leben in Bad Honnef“ nicht an einen prominenteren, stärker frequentierten Ort gehört. Ein Standort wie das Kurhaus würde der Bedeutung des Themas eher gerecht. Dort wäre die Zeitleiste sichtbarer, würde mehr Menschen erreichen und ihren Bildungs- und Erinnerungsauftrag klarer erfüllen.
Natürlich wäre auch ein zentraler Ort kein Garant gegen Zerstörung. Aber Öffentlichkeit schafft Aufmerksamkeit, soziale Kontrolle und Wertschätzung. Erinnerungskultur darf nicht an den Rand gedrängt werden – weder räumlich noch gesellschaftlich.
Die wiederholten Beschädigungen sollten daher nicht nur als Ärgernis betrachtet werden, sondern als Anlass zur Diskussion: Wie und wo wollen wir erinnern? Und welchen Stellenwert räumen wir der jüdischen Geschichte unserer Stadt heute ein? Die Antwort darauf sollte sichtbar sein – mitten in Bad Honnef.










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